Dieser Silvester-Irrsinn muss aufhören

Panischer Hund an Silvester.
Haufenweise toxischer Silvestermüll. Und das ist noch vergleichsweise wenig.

Jedes Jahr dasselbe. Und es wird immer schlimmer.

Gerade eben war ich draußen die Futterstellen auffüllen. Alles totenstill. Normalerweise dauert es nur Sekunden, bis Meise, Kleiber, Taube, Dompfaff und Rotkehlchen etc. auftauchen, wenn sie den Mann mit dem Futtereimer sehen.

Heute nicht. Neujahr. Alle haben sich irgendwo verkrochen. Die Vögel, die Eichhörnchen. Und auch andere Kleintiere, die Rehe und weiteres Wild… Von durchdrehenden Hunden und Katzen und Pferden und und und mal gar nicht zu reden. Alle total traumatisiert. Einfach so. Zum Amüsement menschlicher Knalltüten.

Schon gestern wurde im Radio berichtet, in Euskirchen sei ein von Böllern verschrecktes Pferd in einen drei Meter tiefen Brunnen gefallen. In Städten erreichen die Zahlen an Silvester in Panik entlaufener Hunde drei- bis vierstellige Werte. Ich frage mich: Muss man das hinnehmen? Kann man nix machen?

Im Pflegeheim in Opas Nachbarschaft nebenan leben Menschen, die noch den Krieg im eigenen Land erlebt haben. Opa denkt, da sind einige zu Tode erschrocken, weil sie das jetzt Erlebte und das Erinnerte gar nicht mehr sortiert kriegen. Schaffen sie ja schon ohne Böllerterror nicht mehr. Da ist keine Resilienz für solchen Horror.

Egal? Müssen sie durch? Die brauchen keinen besonderen Schutz? Eine No-Böller-Zone im Umkreis von 500 Metern etwa? Die würde dann auch das Buchenwäldchen an der Grundschule umfassen. Ich würde das sofort unterschreiben.

Es ist unfassbar.

Je älter er wird, desto mehr finde ich diesen rücksichtslosen Böllerwahn zum Kotzen. Dieser ganze toxische Dreck, dieser infernalische Krach, diese Wolken giftiger Dämpfe, dieses ganze sinnlos im wahrsten Wortsinne verballerte (Bürger-?)Geld.

Auf die Frage „Warum?“ gibt es keine wirklich gute, überzeugende Antwort. Dafür taugt nicht mal „Brauchtum“, denn damit hat dieser völlig außer Kontrolle geratene Irrsinn nicht das Geringste zu tun.

Dabei habe ich nicht mal was gegen Rituale. Aber die haben/hatten mal einen guten Sinn. Und einen normalen Rahmen. Das ist bei diesem „Silvesterbrauch“ völlig anders. Dieser durchkommerzialisierte, sinnentleerte Schwachsinn ist doch von der menschlichen und sozialen Wirklichkeit völlig entkoppelt.

Panischer Hund an Silvester.

Der Polizeibericht heute ist ein Dokument des Grauens. Hunderte Festnahmen in Berlin. Dutzende verletzte Helfer und Polizisten. Flammentod einer Rentnerin (88) in Würzburg in der eigenen Wohnung durch eine Rakete. An vielen Orten abgesprengte Hände und Finger. Das Übliche. Der Höhepunkt: In Bielefeld zwei 18-Jährige tot, dank selbstgebastelter Sprengkörper. Es sollte wohl ordentlich bumm machen. Natürlich illegal. Hat funktioniert. Manche Sünden bestraft der liebe Gott sofort.

In ersten Meldungen klang das so, als seien beide bei nur einem Vorfall gestorben. Fehlender Kontext, schlechte Nachrichtenarbeit. Stimmte aber nicht. Es waren zwei Vorfälle in kurzer Zeit in zwei verschiedenen Stadtteilen. Doppelt dumm, doppelt bumm, doppelt tot.

Wie lange wollen wir da noch stillhalten? Warum handeln wir nicht endlich entsprechend? Ich ahne es: Machen doch alle? Sieht doch so schön aus? Haben wir immer schon so gemacht? Silvester ist doch nur einmal im Jahr? Man kann ja nicht alles verbieten? 1

Aber man soll doch auch von heute an der Realisierung seiner guten Vorsätze arbeiten. Das ist doch der gute Brauch. Oder etwa nicht?

 

 

  1. Es gibt auch noch einen weit größeren Kontext. Aber dafür habe ich heute nicht die Lust, nicht den Nerv, nicht die Zeit. Denn das bräuchte ein paar mehr Zeilen.

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